Eine Parkbank erinnert an Felix Meyers Vermächtnis

von unbekannt

Seit Kurzem erinnert eine Sitzbank im heutigen Südpark an Felix Meyer. Der jüdischstämmige Aachener Unternehmer und Erfinder lebte mit seiner Frau Marguerite im ehemaligen Gut Bodenhof an der Ecke Eupener Straße/Weißhausstraße. Anfang Februar 1939 musste das Ehepaar aus Aachen flüchten.

Vor 87 Jahren, am 2. Februar 1939, verließ der Unternehmer und Erfinder Felix Meyer, Sohn des Tuchfabrikanten Moritz Meyer, zusammen mit seiner Gattin Marguerite morgens um 8 Uhr die Stadt, in der seine Familie seit 90 Jahren beheimatet war. Für das Gedenkbuchprojekt zur Erinnerung an die Opfer der Shoah in Aachen hat die ehemalige Lehrerin Wilma Hoekstra-von Cleef Felix Meyers Schicksal nachgespürt.

Bis zum 9. November 1938, dem Tag, an dem die Aachener Synagoge von den Nationalsozialisten zerstört wurde, hatte Felix Meyer noch geglaubt, ihm könne nichts passieren. Er war Erfinder zahlreicher medizinischer und technischer Geräte, die er in seinen Rota-Werken anfertigen ließ. Berühmt ist etwa der von ihm gemeinsam mit dem Mediziner Professor Pauwels entwickelte Rota-Arm, eine Prothese für Versehrte des Ersten Weltkriegs.

Familie Meyer gehörte zum gehobenen Aachener Bürgertum. Felix‘ Vater sowie sein Onkel waren Mitglieder der Aachener Erholungsgesellschaft und sozial engagiert, unter anderem mit einer Stiftung, die Studenten der Polytechnischen Hochschule -heute RWTH - mit Stipendien unterstützte. Aber spätestens mit Felix‘ kurzzeitiger Verhaftung in der Pogromnacht 1938 war es endgültig: Nichts würde die jüdische Familie Meyer vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten retten .

Felix und Marguerite emigrierten nach Brüssel, wo Felix dank guter Kontakte und vor allem dank seiner Furchtlosigkeit und seines Verantwortungsgefühls zahlreiche jüdische Geflüchtete, die ab 1940 unter der deutschen Besatzung litten, vor der Deportation retten konnte.

Das ehemalige Wasserschloss Bodenhof an der Eupener Straße, Felix‘ Lieblingswohnsitz, der ihm seit 1929 gehörte, wurde im Krieg zerstört. Übriggeblieben sind nur noch ein steinerner Torbogen und eine Brücke. Nach dem Krieg kehrte das Ehepaar Meyer nicht mehr nach Aachen zurück. Zu groß war die Enttäuschung über die Treulosigkeit früherer Mitarbeiter; und noch schlimmer empfand Felix Meyer die Tatsache, dass frühere Nazis immer noch oder wieder in ihren Ämtern waren. Die inzwischen nach Süddeutschland verlagerten Rota-Werke führte sein Schwiegersohn John Hennig weiter.

1950 starb Felix Meyer 75-jährig in Brüssel. Sein Grab befindet sich auf dem jüdischen Friedhof an der Lütticher Straße. Doch schien er in seiner Heimatstadt vergessen. Das wollten zwei seiner Urenkelinnen ändern. Bei einem Besuch in Aachen beschlossen Helena Coxhead und Isabelle Walker, zur Erinnerung an ihren Urgroßvater in der Grünanlage des ehemaligen Wasserschlosses Bodenhof eine Parkbank aus Lärchenholz zu stiften. Die heutigen Besitzer von der Südpark GmbH waren einverstanden. Und so besteht dort seit dem 13. November 2025 eine schöne Gelegenheit zur inneren Einkehr oder auch zum Gedenken: Mittels des an der Lehne der neuen Bank angebrachten QR-Codes können sich Besucher ausführlich über das Leben Felix Meyers informieren.

Quelle: Aachener Zeitung, 02.02.2026