Gedenkbuch 2008

Frieda Cahn geborene Philipp,
Hugo Cahn,
Hortense Adler geborene Blüm,
Adolf Adler

Dr. Dan Philipp, Israel

Frida Cahn
Foto: Frieda Cahn

Foto: Hugo Cahn

Zum Gedenken an meine Tante - die Schwester meines Vaters – und meinen Onkel


1. Frieda Cahn, geborene Philipp, geboren am 15. Oktober 1889 und Hugo Cahn, geboren am 23. April 1881 ehemalige Adresse: Brabantstraße in Aachen


und an die Eltern meiner Mutter

2. Hortense Adler, geborene Blüm, geboren am 26. Juli 1876 und Adolf Adler, geboren am 21. November 1866 ehemalige Adresse: Maastricher Laan 153 in Vaals, Niederlande. Todesdaten: 20. Juli und 23. Juli 1943 in Sobibor

die im Holocaust umkamen.

Die eindruckvollsten Erinnerungen, die ich an Tante Frieda habe, sind, dass sie des Öfteren zusammen mit meiner Mutter und mir die Großeltern in Vaals besuchte und französisch sprach, angeblich, weil sie die Mädchenjahre oft in Paris und Nancy verbracht hatte. Als ich meine Mutter ganz unschuldig fragte: „Aber wir sind doch Deutsche!?“, antwortete sie: „Ja, aber die Zeiten haben sich geändert, wir sind auch Juden.“

Ein Jahr später, in der Kristallnacht, kam Onkel Hugo – ganz leise schleichend – in das Haus meiner Mutter in der Roonstraße. Und wieder fragte ich meine Mutter: „Was ist denn los mit ihm? Er sieht ganz sonderbar aus.“ Er hatte verweinte Augen und zitterte am ganzen Körper. Da war ich schon klug genug, um zu wissen, dass irgendetwas bei ihm geschehen war, weil wir Juden waren. Später verstand ich, dass er dadurch, dass er bei uns zu Hause Zuflucht suchte und meine Mutter verwitwet war, - wie durch ein Wunder – nicht wie alle anderen männlichen Juden damals in ein Konzentrationslager kam.

Weil man in unseren Kreisen – noch im Jahre 1938 – versuchte, die ganzen Aktionen als unbedeutende vorübergehende Zwischenfälle zu vertuschen, wurde es vielen von uns Juden zu spät klar, dass diese Vogelstraußpolitik uns ins Verderben schicken wird.

Meine Mutter fasste damals im letzen Moment den Entschluss, mich mit dem Grenzausweis nach Vaals zu den Großeltern zu schleusen, während sie in Aachen unsere Ausreise nach Palästina einfädelte.

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